weissgrund0
orangequer1
BildhwgEntwicklung

Die lokalen Wurzeln der hwg

Gründung

Wie viele Gemeinden im Ruhrgebiet war Herten um die Jahrhundertwende schnell gewachsen. 1872 hatte Herten nur 870 Einwohner. Kurz vor dem zweiten Weltkrieg war eine Industriegemeinde mit knapp 20000 Einwohnern gewachsen. Für die Arbeiter gab es damals im Hertener Süden Massenunterkünfte. Hier und in den spät errichteten Kolonien waren die sozialen Verhältnisse zunächst primitiv. Vor diesem Hintergrund gründeten die Gemeindeverordneten Schmidt und Schuhknecht 1919 den gemeinnützigen Bauverein eGmbH. In diesem Bauverein saßen, bis dahin undenkbar, Gemeindebeamte, Bergmänner und Arbeiter an einem Tisch.

1919-1929: Von der Inflation zur frühen Blüte

Bereits 1919 wurden die ersten Bauprojekte begonnen. Erst nach massivem Druck des staatlichen Wohnungskommissars, der Großgrundbesitzern mit Enteignung drohte, wurden Grundstücke zur Verfügung gestellt. Die ersten 22 Grundstücke in der Feige wurden unter rund 100 Bewerbern verlost. FeigeSchon 1920 konnten die ersten Häuser bezogen werden. Weitere 38 Häuser mit 52 Wohnungen wurden in den beiden Folgejahren fertiggestellt. Bereits in den Anfangsjahren wurden Mietwohnungen errichtet, wobei die Mieten gesetzlich auf das Vorkriegsniveau eingefroren waren. Durch die Hyperinflation von 1923 wurde jede vernünftige Kostenkalkulation unmöglich, und die Bauprojekte mussten eingestellt werden. Ein Neubeginn war erst nach der Währungsreform 1923 möglich. Auch die stillgelegten Projekte (z.B. 16 Mietwohnungen am Knöchel) konnten nun fertiggestellt werden. 
Bis 1929 hatte der Bauverein 110 Häuser mit 218 Wohnungen in Herten errichtet. Der Bauverein übertrug den überwiegenden Teil der Häuser seinen Mitgliedern. Die Genossenschaft war auf 408 Mitglieder angewachsen.

1929-1945: Zwischen Krieg und Krise

Wie in ganz Deutschland, stieg auch in Herten die Arbeitslosigkeit 1929 dramatisch an. Da die Mittel nicht mehr für weitere Wohnungsbauprojekte ausreichten, sank das Interesse am Bauverein. 1932 verlor die Genossenschaft 275 Mitglieder. Im Zuge der Machtergreifung 1933 übernahmen auch in Herten die Nationalsozialisten die wichtigen kommunalen Ämter. Auch die Genossenschaft kam in den Einfluss der lokalen Partei. Erst 1936 wurde ein neues Wohnungsbauprojekt begonnen. Der Bauverein errichtete südlich der Westerholter Straße, unter erheblicher finanzieller Förderung, 52 sogenannte Volkshäuser. Die Wohnungen wurden 1937 unter rund 100 Interessenten von der Stadt Herten gemeinsam mit der Ortsgruppe der NSDAP vergeben. Wegen der großen Materialknappheit wurden alle weiteren Bauprojekte nach dem Ausbruch des Krieges eingestellt

1945-1963: Wohnungen für den Wiederaufbau

Als am 31. März 1945 die amerikanischen Truppen das Stadtgebiet erreichten, war der Krieg für Herten beendet. Auch wenn Herten von umfangreichen Zerstörungen verschont geblieben war, so war doch das öffentliche Leben der Stadt zum Erliegen gekommen. Für die 35000 Einwohner standen 7900 Wohnungen zur Verfügung. Verschärft wurde die Wohnungsnot durch den Zuzug von Flüchtlingen. Zudem hatte die Militärregierung Gebäude für Soldaten Wiederaufbaubeschlagnahmt. Erschwert wurde die Bautätigkeit in den ersten Nachkriegsjahren durch Baustoffmangel und fehlende Handwerker. Auch die Finanzierung erwies sich als schwierig, da die Baukosten bis 300 Prozent gestiegen waren. Erst nach der Währungsreform standen die erforderlichen Mittel bereit, und es setzte ein Bauboom ein. Die Genossenschaft baute im Wesentlichen Eigenheime für ihre Mitglieder, aber auch verstärkt Mietwohnungen. Desweiteren betreute sie als Dienstleister Projekte für weitere Bauherren. Neben den Darlehen aus den Wiederaufbaumitteln wurden die Bauvorhaben mit städtischen Mitteln gefördert. So konnte die Genossenschaft in den zehn Jahren zwischen 1949 und 1959 insgesamt 678 Wohnungen bauen. Die Zahl der Mitglieder ist bis dahin auf über 600 gestiegen. Die ehrenamtlich organisierte Genossenschaft vollzog in der gleichen Zeit den Wandel zu einem modernen genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen. Nach mehreren Umzügen zog die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Herten (GWG) 1962/63 an die Gartenstraße 49. In diesen Jahren ebbte auch der Bauboom ab. Der Wiederaufbau war geschafft.

1963-1975: Neue Ansprüche an die Wohnungsqualität

Mit einem neuen Rathaus, einer neuen Post, einem erweiterten Geschäftszentrum, neuen Schulen und Kindergärten hatte Herten Anfang der 60er Jahre sein Gesicht verändert. Die Genossenschaft hatte bisher mehr Wohnungen in Eigenheimen als in Mietshäusern gebaut. Da das Bauland immer knapper und teurer wurde, konnten die Eigentumsmaßnahmen nicht mehr in der bisherigen Form weitergeführt werden. Die Stärkung der beiden Geschäftsschwerpunkte, Betreuungsaufträge für Bauherren und Bau von Mietwohnungen, sollten in der Folgezeit zu einer wirtschaftlichen Stärkung führen. Die große Koalition und die sinkenden Zinsen führten zu einer anziehenden Konjunktur, die sich auch auf die Bautätigkeit auswirkte. Die GWG erwarb an der Tiergarten-, Erfurter- und DoppelhausBachstraße, an der Uhlandstraße und nördlich der Magdeburger Straße sowie an der Schützenstraße Bauland. Insgesamt wurden hier von der GWG an die 200 Wohnungen für die Genossenschaft und für Dritte errichtet. Die meisten Mietwohnungen waren dabei öffentlich gefördert. Seit 1968 wurden verstärkt die in den 20er- und 30er-Jahren gebauten Wohnungen modernisiert. Entsprechend der Auftragsauslastung wurde auch das Personal auf 26 Mitarbeiter aufgestockt. 1974 fusionierten die Gemeinnützige Wohnstättengenossenschaft Herten“ mit der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Waltrop eG. Um der steigenden Inflation entgegen zu wirken, erhöhte die Bundesbank 1973 die Zinsen. Der Zinsanstieg und die gestiegenen Baukosten führten zu einem Einbruch der Auftragslage auf dem Wohnungsmarkt. Nur in der Sophien- und Nimrodstraße errichtete die Genossenschaft noch Mietshäuser. In der Folge der schwachen Konjunktur musste auch die GWG ihr Personal um sieben Arbeitsplätze reduzieren. 1975 stimmten die mittlerweile 1287 Mitglieder für die Einführung eines zweiten Pflichtanteils von 500 DM. Damit wurde die Eigenkapitalbasis der GWG maßgeblich gestärkt.

1975-1989: Vom Wohnungsbau zur Wohnungswirtschaft

Der soziale Wohnungsbau ging mehr und mehr zurück. Um ihrer wachsenden Mitgliederzahl auch weiterhin Wohnungen anbieten zu können, kaufte die GWG 1976 erstmals Mietshäuser an. Auch baute die GWG als Bauträger Häuser, um sie unmittelbar nach Fertigstellung zu verkaufen. In den Folgejahren führte diese Geschäftspolitik zu einer wesentlichen Verbesserung des Eigenkapitals. Der eigene Mietwohnungsbau wurde nach Zinssenkungen ab 1977/78 wieder wirtschaftlich möglich. So entstanden Wohnungen an der Beethovenstraße, Kurt-Schumacher-Straße und im Baugebiet Sanders Hof. 1980 verfügte die Genossenschaft über 852 eigene Wohnungen. Weitere Mittel flossen in die Pflege des eigenen Bestandes. Systematisch wurden im Zuge der Modernisierung ältere Öl-Heizungen durch Heizungen mit Gas/Fernwärme ersetzt. Die Energiebilanz wurde bei vielen Wohnungen durch Einbau von neuen Fenstern und zusätzlicher Wärmedämmung verbessert.

1989-bis 2009: trotz Reduzierung der sozialen Förderung sozial geblieben

Im Jubiläumsjahr 1994, 75 Jahre HWG, gehörten der Genossenschaft 1572 Mitglieder an. Durch Ankäufe und Neubauten wuchs der Bestand auf 1059 Mietwohnungen an. Auch der Erhalt der Substanz hatte und hat weithin einen hohen Stellenwert. Neben den regelmäßigen Arbeiten wurden viele Häuser in der Zwischenzeit mit neuen Türen, Fenstern, Balkonen, Dächern, Bädern, Kabelanschluss und Heizungen modernisiert. Es zeigt sich aber auch, dass einige aus öffentlichen Mitteln geförderte Wohnungen nur schwer zu vermieten waren. Dadurch, dass die Lohnentwicklung hinterherhing, waren die sozialgeförderten Wohnungen oftmals teurer als die Wohnungen ohne soziale Bindung. Um diese Bindung aufzulösen, wurden für 250 Wohnungen die Baudarlehen vorzeitig zurückgezahlt. Da 2003 bei weiteren 338 Wohnungen die Bindung auslief, entspannte sich hier die Situation. Der steigende Aufwand für die Verwaltung der Wohnungen machte ein größeres Bürogebäude notwendig. 1997 wurde hinter der bisherigen Verwaltung an der Gartenstraße ein ein neues Gebäude mit eigenen Parkmöglichkeiten und behindertengerechtem Zugang errichtet.
Als weiterer Service wurde 1996, zunächst probeweise, eine soziale Betreuung für die Mitglieder aufgebaut. Diese Maßnahme als frühzeitige Antwort auf die auseinander driftendende Gesellschaft sollte insbesondere älteren Personen zugute kommen. Die hwg zeigt damit noch heute soziale Verantwortung, denn nach den positiven Reaktionen wurde dieser Service dauerhaft eingerichtet und war sicherlich vorbildhaft für viele Genossenschften und Unternehmen in der Wohungswirtschaft.

2000 bis zur Gegenwart: Beginn der behutsamen Verjüngung des Bestandes

In den letzten Jahren des vorherigen Jahrhunderts wuchs durch Zukauf und weitere Neubauten der Bestand im Jahr 2000 auf insgesamt 1089 Wohnungen, zehn Gewerbeeinheiten und 392 PKW-Garagen/Stellplätze an. Im gleichen Adorno-WegJahr hatte die Genossenschaft 1643 Mitglieder.
Bedingt durch die Nachfrage nach zeitgemäßem, höherwertigen Wohnraum, der auch die Belange der sich ändernden Bevölkerungsstruktur berücksichtigt, wurden auch wieder Neubauprojekte in Angriff genommen. Unterstützt wurden die Aktivitäten durch die Zinsentwicklung.
2007/2008 baute die hwg im Waldviertel, der exklusiven Wohnlage in Herten, sechs Dreifamilienhäuser (Theodor-W.-Adorno-Weg). Ein weiteres Doppelhaus wurde 2009 am Paschenberg fertiggestellt. Mitte 2010 wurde mit dem Bau des Hauses Rabenhorst 6 begonnen. Schon Anfang März 2011 konnten die sechs neuen Wohnungen an die Mitglieder übergeben werden.
Im beliebten Hertener Stadtteil Diesteln, dem Neubaugebiet „Goethe-Gärten“, baute die hwg 2012 ein komfortables Mehrfamilienhaus. Zu jeder Wohnung gehört ein Balkon sowie ein Bad mit ebenerdiger Dusche. Zudem wurde das Gebäude mit einem Aufzug ausgestattet,
so dass mit diesem Angebot besonders die ältere Generation sowie Bürger mit Handikap angesprochen wurden. Das Gebäude der „Goethe-Gärten“, Schulstraße 15, wurde planmäßig Anfang 2013 an die neuen Mieter übergeben.
Als weiteres Projekt wurden Ende 2013 acht Wohnungen in zwei Stadtvillen im Hertener Baugebiet Sonne+ fertiggestellt. Das Besondere an den Gebäuden ist: Die Siedlung sonne+ wird über ein Biogas-Blockheizkraftwerk mit Wärme und Strom versorgt. Deshalb benötigen die Häuser keine Heizungsanlage und keinen Heizungskeller.
In 2013 gab es auch eine Verjüngung in der Geschäftsführung. Dierk Volkenand, der 1962 als Lehrling bei der hwg begonnen hatte und die hwg menschlich prägte, ging zum 1. August 2013, nach 52 Jahren bei der hwg, in den Ruhestand. Der neue Geschäftsführer, Peter Griwatsch, ist seit 1990 bei der hwg und hat schon seit 2009 Prokura.
Im ereignisreichen Jahr 2013 wurde zudem ein Projekt gestartet, welches die hwg noch einige Jahre begleiten wird: Das, in Analogie zur Straßenführung genannte, „Grünknie“. Die hwg plant dazu an der Kirchstraße in Herten 32 Wohnungen in mehreren Abschnitten neu zu bauen. Dazu wurden erstmals Gebäude aus dem Bestand, die weder 1Bauabschnittwärmetechnisch noch schalltechnisch auf zeitgemäßen Stand zu bringen waren, abgerissen. Die neue Bebauung im „Grünknie“ besteht aus zwei- bis dreigeschossigen Häusern, wobei die unterschiedlichen Haustypen auf spezifische Lebensbedürfnisse der Bewohner eingehen. So sind z.B. viele Wohnungen mit direktem Zugang zum Garten besonders familiengerecht geplant.
Bereits 2015 konnten, nach nur zehn Monaten Bauzeit, die neuen Mieter in den ersten Bauabschnitt einziehen.
 

 

 

 

 

 Top

 

 

 

Share |

Geschichte der hwg

„Zwecks Gründung eines gemeinnützigen Bauvereins hatt auf Anregung der hiesigen Stadt-verwaltung die Gemeinderats-mitglieder Schmidt und Schuknecht zu einer Vorbesprechung am 25. Juli 1919 im Gemeindegasthaus Kaiserhof zu Herten eingeladen.“

In der Aufregung scheint der damalige Schreiber mit der Grammatik in dem Artikel etwas über Kreuz gekommen zu sein. Aber das Vortreffen wurde zu einem großen Erfolg: über das „überaus zahlreiche Erscheinen von Interessenten aus allen Bevölkerungsschichten“ berichtet er weiter und nicht zuletzt der Vortrag eines Dr. Schmettler von der „westfälischen Heimstätte Münster“ über den Zweck und die Vorteile eines Bauvereins war wohl allen sehr plausibel. Denn bei der Gründungsversammlung fünf Tage später – wiederum im Kaiserhof –unterschrieben 143 neue Mitglieder die Satzung des „gemeinnützigen Bauverein e.G.m.b.H. Herten“. Vom Bergmann über den Beamten bis zum Handwerker und Lehrer – alle suchten nach einer Möglichkeit „zweckmäßig eingerichtete Wohnungen in eigens errichteten Häusern zu billigen Preisen“ zu beziehen.

Ausführlicheres zur Stadtentwicklung von Herten und der damit verbundenen Entwicklung der hwg finden Sie auch in den Mitgliederzeitungen.

Wir sorgen fürs Wohnen,
Sie können leben.
hw hwglogo1
hw
hwglogo1 hw