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Lichtan

Streichmaterial

Welchen Eimer soll ich nehmen? Welche Farbe ist die Richtige?

Herbst und Winter sind ja eine beliebte Jahreszeit für eine Renovierung. Dabei kommt nicht nur die Frage auf, in welcher Farbe denn Küche, Flur oder Wohnzimmer gestrichen werden sollen, sondern auch mit welcher. Dispersions- und Latexfarben stehen im Baumarkt schön friedlich nebeneinander im Regal; des Weiteren gibt es noch Natur- und Mineralfarben. Aber welche ist denn eigentlich wofür gut?
Die im Innenraum am häufigsten verwendete Farbe ist die einfache Dispersionsfarbe. Dispersion bezeichnet zwei Stoffe, die sich eigentlich nicht mischen, zusammen aber trotzdem Sinn ergeben. Milch ist so eine klassische Dispersion. Eiweiß, Milchzucker, Milchfett und Wasser. Übersetzt für die Farben: Bindemittel, Lösemittel, Farbmittel und Zusatzstoffe. Der Mix ist für die Farben – oder, wie der Anstreicher zur Abgrenzung von den Farben wie Rot oder Grün lieber sagt: Beschichtungsstoff – jeweils unterschiedlich und macht den feinen Unterschied. Mal im Einzelnen:

Bindemittel
Bezweckt, dass die Farbe an der Wand hält, bewirkt die Verankerung mit dem Untergrund und die Verklebung der einzelnen Bestandteile miteinander.

Löse-/Verdünnungsmittel
Bewirkt die Lösung, bzw. Verdünnung der Farbe und ist bei Wandfarben meist Wasser.

Farbmittel
Das sind die Pigmente, die die Farbe, also z.B. Weiß oder Rot oder Blau geben. Sie sorgen auch dafür, wie gut die Farbe deckt. Bei teureren Farben kann einmal überstreichen reichen, bei preiswerten muss man evtl. zwei, drei Mal ran.

Zusatzstoffe
Sie verbessern Eigenschaften der Farbe wie z.B. Verarbeitung, Glanz, Verlauf, Standvermögen, Haftung, Härte, Trocknung, Schimmelbeständigkeit.

Nach dieser Klärung nun zu den Namen und den -Eigenschaften der Farben. In denen als Dispersionsfarben vertriebenen Produkten besteht das Bindemittel überwiegend aus einem Mix verschiedener Kunststoffe. Es gibt sie in sehr unterschiedlichen Qualitätsstufen. Mischungen fürs Bad oder für die Küchen beinhalten zudem meist noch eine fungizide Ausstattung gegen Schimmelbildung. Die sog. Dispersionsfarben haben viele Vorteile; sie sind

>> gut verarbeitbar
>> trocknen schnell
>> sind geruchsarm
>> diffusionsoffen, also lassen Luft durch
>> bei den guten Qualitäten sehr gut deckend und
>> widerstandsfähig
>> Altanstriche lassen sich problemlos überstreichen
>> und im Verhältnis zu den anderen Produkten, günstig.

Eine Alternative dazu stellen die Naturharzdispersionsfarben dar. Diese verwenden tierische oder pflanzliche Öle, Harze oder Wachse als Bindemittel. Diese lösemittelfreien Wand- und Deckenfarben können im Allgemeinen auf Rauhfasertapeten, Kalkputze, Gipsputze und auf Altanstriche verwendet werden; sind aber größtenteils nur in ökologisch orientierten Fachmärkten zu bekommen. Da sie -zudem nicht so stark standardisiert sind, können die -Anstrichergebnisse schon mal unterschiedlich ausfallen.

Bei der Latexfarbe bestand früher das Bindemittel aus Latex, also dem natürlichen Kautschuk. Genau genommen sind es also auch Dispersionen. Heute ist Latex längst durch elastische Kunstharze ersetzt, der Name ist aber zu Unterscheidung zu den klassischen Dispersionsfarben erhalten geblieben. Die Latexfarbe ist – früher wie heute – besonders wasserabweisend und sehr strapazierfähig. Trotzdem sind moderne Latexfarben noch diffusionsfähig, d.h. sie lassen eine gewisse Atmung der Wände zu, Wände sind somit nicht komplett versiegelt. Aber sie sind deutlich weniger atmungsaktiv als die normalen Dispersionsfarben. Latexfarben gibt es in unterschiedlichen Glanzgraden (von matt bis glänzend). Die Vorteile der Latexfarben:

>> verstärkt scheuerbeständig
>> wasserbeständiger
>> somit sehr widerstandsfähig
>> sie bilden einen nur dünnen Farbfilm und sind somit strukturerhaltender

Die Latexfarben werden wegen ihrer besonderen Widerstandsfähigkeit häufig in Fluren, Küchen und Treppenhäusern eingesetzt, oder auch in Kinderzimmern. Matte Latexfarben können in der Regel direkt überstrichen werden. Hochglänzende Latexfarben sollten vor dem Neuanstrich mit Schleifpapier (ca. 120er Körnung) leicht angeschliffen und abgestaubt werden, denn die angeraute Oberfläche bietet eine bessere Haftung.
Ein Vorteil ist zugleich ein Nachteil: Latexfarbe ist ziemlich wasserfest. Einmal damit gestrichen, und die Rauhfaser-Tapete geht später nur unwillig wieder von der Wand runter. Wenn die Tapete mit Latex von der Wand muss, ist es auf jedem Fall hilfreich, diese mit einem „Igel“, bzw. einer Stachelwalze, vorzurollen. Der Igel macht viele kleine Löcher in die Farbschicht, so dass der Tapetenablöser durch die Farbschicht dringen kann. Ist die Latexfarbe gar direkt auf die Wand oder Decke gestrichen, muss man zumeist zu härteren Mitteln greifen: um dünne Schichten von Latexfarbe von der Wand zu entfernen, kann man in einer gut durchlüfteten Wohnung mit einem Lappen die Fläche mit Spiritus tränken und aufweichen, alternativ lässt sich auch organisches Abbeizmittel aus dem Baumarkt verwenden. Weil sie so schwer zu entfernen sind und wegen der erhöhten Schimmelgefahr, muss Latexfarbe beim Auszug vollständig entfernt werden. Wir empfehlen deshalb, sie erst gar nicht zu verwenden.

Darüber hinaus gibt es im gut sortierten Baumarkt oder im Fachgeschäft auch noch sogenannte Mineralfarben. Das sind Anstrichstoffe mit mineralischen Bindemitteln: Kalk oder Silikat oder Silicium. Mineralische Farben sind höchst wasserdampfdurchlässig und alkalisch, wodurch sie den Befall von Schimmel und Schmutz erschweren. Aber: Sie sind im Original als Außenfarben entwickelt worden und bilden nicht wie andere Anstriche eine Schicht, sondern verbinden sich, bei entsprechendem Untergrund, unlösbar mit dem Untergrund (Verkieselung). Das Ergebnis ist eine überaus beständige Verbindung zwischen Anstrich und Wand. Und ob das ein Vor- oder Nachteil ist, muss jeder für sich beurteilen: Die Mineralfarbe bekommt man nur mechanisch von der Wand, zumeist nur mit dem Putz. Außerdem sind die Mineralfarben deutlich teurer als die normalen Dispersionsfarben. Auch diese Farbe müsste beim Auszug vollständig und ohne Beschädigung des -Untergrunds entfernt werden.

Noch ein paar Worte zur Gestaltung der hwg-Wohnungen: Kurz vor Redaktionsschluss hat das Bundesverfassungsgericht ein wichtiges Urteil zu diesem Punkt veröffentlicht (BGH AZ VIII ZR 416/12). Demnach dürfen Mieter die Wandfarben frei wählen, müssen diese aber bei Auszug in einem Farbton überstreichen, der „für möglichst viele Mieterinteressen akzeptabel ist“. Das muss nicht weiß sein, der Vermieter könne aber einen Anstrich „in hellen, neutralen, deckenden Farben“ verlangen.

„Wichtig ist auch, dass die Tapezierung vollständig und sauber ist. Falls sie Mängel hat, sind wir auch mit einer komplett untapezierten Wohnung einverstanden“, erklärt Joachim Ober von der Technik-Abteilung der hwg. Das bedeutet, dass bei Auszug nicht unbedingt alle Tapeten von den Wänden müssen: „Wir schauen uns den Zustand an und wenn die Tapeten mängelfrei, streichfähig und nicht mit Latexfarbe gestrichen sind, können die selbstverständlich dran bleiben.“

Diese Artikel stammt aus der Rubrik „Ratgeber Baumarkt” der Mitgliederzeitung …

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Vorsicht!

Hier riecht es nach Arbeit. Aus der Rubrik Ratgeber Baumarkt unserer Mitgliederzeitung finden Sie hier wechselnd Anleitungen und Informationen, jeweils von uns getestet. Etwas handwerkliches Geschick kann nicht schaden. Aber wenn z.B. auch der Mieter der Nachbarwohnung an Ihrem frisch eingeschlagenen Nageldübel ein Bild aufhängen kann: Nutzen Sie diesen Link zur Abteilung Technik/Reparaturen.

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